Rechtslage · KI-Tools · BW-Fokus

KI in der Schule

Was gilt. Was du damit machen kannst.

Zuletzt geprüft: 25. Mai 2026

Übersicht über aktuelle Regelungen zur KI-Nutzung im Schulalltag — Schwerpunkt BW, mit Bundeslandvergleich. Ohne Gewähr, kein Ersatz für Rechtsberatung.

Rechtslage & Praxis

BW Baden-Württemberg — was aktuell gilt

Rechtsgrundlagen

Die Nutzung von KI im Unterricht ist in Baden-Württemberg rechtlich geregelt durch:

  • § 115b SchG — Schulgesetz Baden-Württemberg, Ermächtigungsgrundlage für digitalen Unterricht
  • § 6 DUVO — Verordnung über digitalen Unterricht, konkretisiert den Einsatz von KI zur Förderung individueller Lernwege
  • EU AI Act (Transparenzpflichten ab Aug. 2026; Hochrisiko-KI in Bildung ab Dez. 2027) + DSGVO als übergeordneter Rahmen

Zugelassene KI-Tools erlaubt

Nur über SCHULE@BW (Landesplattform) zugelassene Systeme dürfen mit Schülerdaten verwendet werden:

  • F13 — souveräne KI des Landes, open-source Sprachmodelle, Infrastruktur vollständig in BW. Verfügbar seit Sommer 2025. Funktionen: Chat, Dokumentenanalyse, Unterrichtsvorbereitung.
  • AIS.chat — Multi-LLM-Plattform, verfügbar über SCHULE@BW seit Oktober 2025. Ermöglicht auch angepasste Assistenten für Verwaltungsaufgaben und Lernszenarien für Schüler.
Beide Tools wurden datenschutzrechtlich geprüft und verfügen über einen AVV. Das bedeutet: Sie dürfen für personenbezogene Schülerdaten eingesetzt werden — jedoch gelten weiterhin Datenminimierung, schulische Nutzungsregelungen und ggf. Vorgaben des Schulträgers. Die Freigabe ist kein Blankoscheck.

Was ausdrücklich nicht erlaubt ist

  • Noten per KI vergeben oder wesentliche pädagogische Entscheidungen durch KI treffen lassen (Art. 22 DSGVO: Verbot automatisierter Einzelentscheidungen)
  • Besondere Kategorien (Art. 9 DSGVO) in KI-Systeme eingeben: Gesundheit, Religion, ethnische Herkunft, politische Meinung
  • Nicht-freigegebene Tools (ChatGPT, Claude, Gemini, DeepSeek etc.) für Schülerdaten nutzen — nur über SCHULE@BW zugelassene Systeme sind datenschutzkonform
Wichtig: Personenbezogene Daten dürfen ausschließlich in Systeme eingegeben werden, die ausdrücklich dafür freigegeben sind (ZSL-FAQ, BW).

Seit Februar 2025: KI-Kompetenzpflicht

Schulen als KI-Betreiber sind verpflichtet, die KI-Grundkompetenz ihres Personals sicherzustellen — so schreibt es Art. 4 AI Act für alle Organisationen vor, die KI einsetzen. In BW bedeutet das seit 02.02.2025: Lehrkräfte, die KI-Anwendungen nutzen, müssen nachweisbare KI-Grundkompetenz (AI Literacy) besitzen. Fortbildungsangebote: ZSL — KI-Zentrum Schule · LFB Kultus BW (Fortbildungsportal).

Neue Unterrichtsfächer

KI ist zentrales Thema im neuen Pflichtfach „Informatik und Medienbildung" (ab Schuljahr 2025/26).

Allgemein Bundeslandvergleich

Alle Bundesländer regulieren KI-Nutzung eigenverantwortlich. Ein bundesweit einheitliches Verbot oder eine Erlaubnisliste existiert nicht — die KMK-Empfehlung setzt nur den Rahmen.

Bundesland Grundhaltung Zugelassene Tools Schülerdaten-Regelung
BW Baden-Württemberg Erlaubt unter DSGVO-Bedingungen, eigene Landesinfrastruktur F13, AIS.chat (beide über SCHULE@BW) Nur in ausdrücklich freigegebene Systeme; Art.-9-Daten generell verboten
Bayern Ähnlich restriktiv, schuleigene Plattform ByCS ByCS-KI, AIS.chat (seit Dez. 2025) ChatGPT nur ab 13/18 J. mit Elternzustimmung; ByCS-Systeme freigestellt
NRW Kein generelles Verbot, Handlungsleitfaden; KI-Pilotprojekt ab 2026 SchulKI, fobizz (kommerziell, kein offizielles Landestool) Bei Plenum-Nutzung: keine personenbezogenen Daten übertragen
Niedersachsen Eigener Cloud-Ansatz, Niedersächsische Bildungscloud „telli" (seit Feb. 2026 über NBC) Über Bildungscloud NBC abgesichert
Berlin Offen, viele Materialien, keine eigene Plattform Keine eigene Landeslösung Kaum spezifische Verbote; allgemeine DSGVO gilt
Fazit: BW und Bayern haben die restriktivsten, aber auch konsequentesten Ansätze mit eigenen geprüften Plattformen. NRW und Berlin setzen stärker auf Eigenverantwortung.
BW Allgemein Empfohlene Tools für Lehrkräfte
Grundregel: ChatGPT, Claude, Gemini, DeepSeek und ähnliche Dienste über deren öffentliche Websites oder Apps sind nicht zulässig für Schülerdaten — unabhängig vom Bundesland. Nur geprüfte Schullösungen bieten ausreichenden Datenschutz.

Geprüfte Schullösungen

BW F13

Souveräne KI des Landes BW. Open-source LLMs auf staatlicher Infrastruktur. Kostenlos über SCHULE@BW. Keine Datenweitergabe an Dritte.

BW BY AIS.chat

Multi-LLM-Plattform für Schulen. In BW über SCHULE@BW (seit Okt. 2025), in Bayern über ByCS (seit Dez. 2025) verfügbar.

Deutschlandweit SchulKI / fobizz

Kommerzielle KI-Plattformen, speziell für Schulen entwickelt, mit AVV. Bundesweit nutzbar — aber nicht zentral für BW freigegeben. Nur für eigene Unterrichtsvorbereitung ohne Schülerdaten.

NI telli

KI-Assistent über die Niedersächsische Bildungscloud (NBC). Seit Februar 2026 für alle niedersächsischen Schulen verfügbar.

Für Unterrichtsvorbereitung (ohne Schülerdaten)

Wenn keine personenbezogenen Schülerdaten eingegeben werden, können Lehrkräfte grundsätzlich auch andere KI-Tools für die eigene Vorbereitung nutzen — z. B. für Ideenfindung, Textentwürfe, Materialrecherche. Die DSGVO greift in diesem Fall nicht bezüglich Schülerdaten; allerdings gelten beamtenrechtliche Überlegungen (→ Beamtenrecht-Abschnitt).

BW DSGVO & Beamtenrecht

DSGVO — die wichtigsten Artikel für Lehrkräfte

  • Art. 9 DSGVOBesondere Kategorien personenbezogener Daten (Gesundheit, Religion, ethnische Herkunft) dürfen nicht in KI-Systeme eingegeben werden. Gilt absolut.
  • Art. 22 DSGVOKein automatisierter Einzelentscheid: KI darf keine Noten vergeben oder pädagogische Entscheidungen treffen. Finale Entscheidung liegt immer bei der Lehrkraft.
  • Art. 28 DSGVOAuftragsverarbeitung: Jede Nutzung externer KI-Tools mit Schülerdaten erfordert einen schriftlichen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) zwischen Schule/Schulträger und Anbieter. Nur zustimmen reicht nicht.
  • Art. 5 DSGVODatensparsamkeit: Nur die wirklich benötigten Daten verarbeiten. Anonymisierung wo möglich.

US-Anbieter: Besondere Vorsicht

Amerikanische Unternehmen (OpenAI, Google, Anthropic etc.) bleiben auch mit EU-Rechenzentren an US-Recht gebunden. US-Behörden können unter US-Gesetzen auf Daten zugreifen — auch aus EU-Datacentern. Der LfDI BW sieht dies als grundsätzliches Hindernis für den Einsatz mit Schülerdaten.

Beamtenrecht — BW

Lehrkräfte in BW sind Landesbeamte. Zusätzlich zu DSGVO gelten beamtenrechtliche Pflichten:

  • § 37 BeamtStGVerschwiegenheitspflicht: Dienstlich erlangte Informationen (inkl. Schülerleistungsdaten, auch pseudonymisiert) dürfen nicht unbefugt an Dritte weitergegeben werden. Private KI-Plattformen ohne behördliche Freigabe können als "Dritter" gelten.
  • Die Nutzung privater, nicht behördlich genehmigter Plattformen für dienstliche Daten ist ohne Genehmigung der Schulbehörde rechtlich grenzwertig — auch wenn keine Klarnamen übertragen werden.
  • Vergleichbar mit der WhatsApp-Problematik bei Elternkommunikation: technisch möglich, rechtlich nicht ohne weiteres zulässig.
Eigenverantwortung: Die Nutzung nicht-freigegebener KI-Tools für dienstliche Zwecke liegt in der Verantwortung der einzelnen Lehrkraft. Im Zweifel: beim Schulamt oder der Schulleitung anfragen, bevor neue Tools eingesetzt werden.
Empfehlung: F13 und AIS.chat über SCHULE@BW sind behördlich geprüft und genehmigt — dort gibt es keine beamtenrechtlichen Bedenken.
KMK Bundesweite KMK-Empfehlungen

Die Kultusministerkonferenz (KMK) verabschiedete am 10. Oktober 2024 die „Handlungsempfehlung für die Bildungsverwaltung zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz in schulischen Bildungsprozessen" — federführend erarbeitet durch NRW.

5 Themenbereiche der KMK-Empfehlung

  • Didaktik: KI soll Lehrkräfte unterstützen und personalisierte Lernumgebungen schaffen — nicht ersetzen.
  • Prüfungskultur: Prüfungsformate anpassen, KI-Kompetenz berücksichtigen, Leistungsbewertung transparent gestalten.
  • Lehrkräftebildung: Aus- und Fortbildung muss systematisch KI-Umgang integrieren.
  • Regulierung: EU AI Act + DSGVO setzen den Rahmen. Ergänzend: Leitlinien des Deutschen Ethikrats.
  • Chancengerechtigkeit: Alle Lernenden sollen KI-Kompetenzen entwickeln können.

Zeitplan EU AI Act

  • Feb. 2025: KI-Kompetenzpflicht (Art. 4 AI Act) — in Kraft
  • Aug. 2026: Transparenzpflichten greifen (Art. 50 AI Act): KI-generierte Inhalte müssen gekennzeichnet werden.
  • Dez. 2027: Anforderungen für Hochrisiko-KI-Systeme in Bildung, Beschäftigung und Biometrie treten in Kraft. Schulen als KI-Betreiber müssen Systeme klassifizieren und ggf. Konformitätsbewertungen vorhalten.
Was die KMK nicht ist: Die KMK-Empfehlung ist keine bindende Rechtsnorm. Sie gibt Orientierung, aber jedes Bundesland setzt eigene Regeln. Maßgeblich für BW-Lehrkräfte ist das Kultusministerium BW — nicht die KMK.

KI-Tools — was kann ich womit machen?

Sechs typische Anwendungsfälle aus der Schulpraxis, mit konkreten Tools und dem wichtigsten Hinweis: Was ist erlaubt?

F13 Über SCHULE@BW datenschutzrechtlich geprüft · Vorgaben des Schulträgers beachten ChatGPT Nur eigene Vorbereitung — keine Schülerdaten! ⚠ Vorsicht Besonderer Hinweis beachten
📄

Arbeitsmaterial erstellen

Arbeitsblätter · Lückentexte · Übungsaufgaben · Tests · Lösungsblätter

F13 (BW) AIS.chat (BW) ChatGPT Claude Diffit

Tipp: Differenzierungsstufen direkt im Prompt angeben — z. B. „für drei Niveaustufen: A-Kurs, Regelklasse, Förderklasse".

📅

Unterrichtseinheiten planen

Stundenentwürfe · Sequenzplanungen · Lernziele formulieren · Einstieg und Sicherung

ChatGPT Claude MagicSchool Curipod

Tipp: Fach · Klassenstufe · Zeitrahmen · Lernziele als Kontext mitgeben — KI liefert eine vollständige Struktur als Ausgangspunkt.

✉️

Texte formulieren

Elternbriefe · Zeugnisbemerkungen · Berichte · Protokolle · Ankündigungen

⚠ anonymisiert! ChatGPT Claude

Wichtig: Keine Namen, Noten oder erkennbaren Schülerdaten eingeben. Immer anonymisiert formulieren — z. B. „eine Schülerin in Klasse 7" statt Name.

🎬

Präsentationen & Erklärvideos

Slides aus Text · Erklärvideos · KI-Avatar-Präsentationen · visuelle Lernmaterialien

Gamma.app Canva KI Synthesia D-ID

Tipp: Gamma.app verwandelt einen Satz oder eine Gliederung in eine vollständige Präsentation — inklusive Layout und Bild-Vorschlägen.

💻

Programmieren & Automatisieren

Excel-Formeln · einfache Scripts · Notenvorlagen · Webformulare · Textbausteine

ChatGPT Claude GitHub Copilot

Tipp: Kein Vorwissen nötig. „Schreibe mir eine Excel-Formel, die…" oder „Erstelle eine Vorlage für…" — KI erklärt den Code auf Wunsch auch Schritt für Schritt.

🎯

Differenzierung & Förderung

Texte in Niveaustufen · Fördermaterial · vereinfachte Sprache · Aufgaben adaptieren

F13 (BW) AIS.chat (BW) ChatGPT Diffit

Tipp: „Erstelle drei Versionen dieses Textes: Sprachniveau B1, Regelklasse, erweitertes Niveau" — funktioniert für Sachtexte, Aufgabenstellungen und Erklärungen.

Hinweis zu den Tools: Alle Tools ohne grüne Kennzeichnung dürfen nur für die eigene Unterrichtsvorbereitung genutzt werden — ohne Schülerdaten. Für BW gilt: Nur F13 und AIS.chat über SCHULE@BW sind datenschutzrechtlich geprüft und für den Einsatz mit Schülerinnen und Schülern freigegeben — das heißt, es besteht ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) und der LfDI BW hat die Tools bewertet. Es bedeutet nicht, dass beliebige Daten eingegeben werden dürfen: Datenminimierung, die Vorgaben des eigenen Schulträgers und ggf. schulinterne Regelungen gelten weiterhin.